Letzte Woche habe ich euch stolz erzählt, dass ich auf dem Weg bin. Dass ich den nächsten Schritt gemacht habe auf der Reise zu etwas Neuem. Ein paar Tage später wurde ich zurückgeworfen. Durch mein eigenes Verschulden stellte ich plötzlich alles wieder in Frage und wusste von einem Moment auf den anderen nicht mehr, wo ich eigentlich stehe. Was war passiert?

Die Geschichte klingt zunächst sehr unspektakulär. Denn sie beginnt damit, dass mir ein Bekannter das Buch „Kluge Köpfe, Krumme Wege“ von Andrea Schwiebert empfahl. Letzte Woche schaffte ich es endlich, das Buch zu lesen. Es ist ein wirklich sehr hilfreiches Buch mit neuen Denkanstößen und praktischen Übungen zur Selbstreflektion. Es richtet sich vor allem an vielseitig interessierte Menschen, die noch auf der Suche nach ihrem Weg sind und sich dabei manchmal selbst blockieren. Ein Buch wie für mich gemacht, dachte ich. Inhaltlich war es das auch. Was jedoch überhaupt nicht perfekt war, war der Zeitpunkt, zu dem ich es las.

Denn was Lesen des Buches warf mich zurück. Zurück in die Phase, als ich mit meiner beruflichen Neuorientierung begann. Als ich einen Ratgeber nach dem nächsten las, um meinen Weg zu finden. Durch das Buch wurden Fragen wieder aufgeworfen, die ich vor ein paar Monaten bereits beantwortet hatte. Und ich begann diese Antworten erneut in Frage zu stellen. Hatte ich damals alles bedacht? War ich wirklich auf dem richtigen Weg? Was war mit all den anderen Alternativen, die ich damals verworfen habe? War es wirklich das, was ich wollte? Wer war ich wirklich?

Zweifel machten sich breit. An mir. An meinem Weg. An allen Entscheidungen, die ich bis dato getroffen hatte. Gedanklich befand ich mich plötzlich wieder im April, als ich am Anfang meiner Reise stand. Mit all den Gedankenschleifen, die zu nichts führten als purer Verzweiflung. So verbrachte ich letzte Woche schließlich einen ganzen Tag damit, längst durchgekaute Gedanken noch einmal zu durchdenken mit dem Ergebnis, dass ich am Ende des Tages gar nicht mehr wusste, was ich wollte. Was richtig war. Und Panik bekam.

Als sich die Panik nach und nach legte und ich wieder etwas klarere Gedanken fassen konnte, realisierte ich, was passiert war. Ich hatte etwas aufgewärmt, was längst abgeschlossen war. Und ich hatte an dem Fundament gerüttelt, das die Basis für meinen aktuellen Weg bildet. Ich hatte, wenn auch offensichtlich unbewusst, die Phase der Selbstreflektion bereits abgeschlossen und war in die nächste Phase, die Umsetzung, getreten. Auch wenn das durch den Start meiner Weiterbildung letztlich irgendwie offensichtlich ist, hatte ich mir über diesen Übergang von der einen in die nächste Phase keine Gedanken gemacht. Noch weniger Gedanken hatte ich mir darüber gemacht, wie gefährlich es werden kann, diese Phasen zu vermischen.

So lehrte mich dies ein einfacher Ratgeber letzte Woche. Den nächsten Schritt gehen bedeutet, nach vorne zu schauen und das, was zu diesem Schritt geführt hat, als abgeschlossen zu betrachten. Die Konsequenz für mich ist klar: aktuell keine Ratgeber mehr lesen, die sich mit der Selbstfindung oder den ersten Schritten der beruflichen Neuorientierung beschäftigen! Nicht, weil mich das Thema nicht interessiert. Sondern weil ich mit meiner Weiterbildung zur Business Trainerin, Coach und Change Management Consultant bereits in Phase 2 bin.

Dass es nicht trotzdem immer wieder Zeitpunkte im Leben gibt, in denen es ebenso sinnvoll sein kann, noch einmal neu auf seinen Weg zu blicken, möchte ich gar nicht negieren. In regelmäßigen Abständen zu überprüfen, ob der Weg weiterhin der richtige ist, kann Quelle der Zufriedenheit sein. Ich habe in der letzten Woche jedoch gelernt, dass es darauf ankommt, diesen Zeitpunkt richtig zu identifizieren. Denn das Thematisieren mancher Lebensfragen kann zum falschen Zeitpunkt viel mehr Schaden als Nutzen anrichten. Hier ist es wichtig, auf sich selbst zu hören. Denn tief in uns drin wissen wir meistens ganz genau, was wir in der aktuellen Lebenssituation wirklich brauchen.

Als mir all das bewusst wurde, konnte ich auch wieder positiv und optimistisch auf meinen aktuellen Weg blicken. Ich konzentriere mich auf die Zukunft und höre auf, Entscheidungen zu hinterfragen, die ich bereits getroffen habe. Dass es trotzdem immer mal wieder Zweifel geben wird, damit rechne ich ohnehin. Aber zumindest kenne ich nun schon eine Quelle, die ich eliminieren kann 😉