Traumjob – was ist das eigentlich?

Als ich mich auf die Suche nach meinem Traumjob machte, wusste ich erst einmal nicht so richtig, wo ich anfangen sollte. Bisher hatte ich nach Jobs immer auf den klassischen Jobbörsen gesucht und so startete ich meine Suche auch dieses Mal, indem ich mir Berufsbezeichnungen heraussuchte, die mir interessant erschienen. Ich merkte jedoch schnell, dass mich die zugehörigen Stellenbeschreibungen weder ansprachen, noch zu mir passten und schon bald machte sich Frust breit. So kam ich offensichtlich nicht zum Ziel.

Nach ein wenig Google-Recherche dämmerte mir, dass ich bei meiner Suche viel weiter vorne anfangen musste. Ich realisierte, dass sich (m)ein Traumjob nicht durch eine Berufsbezeichnung definiert, sondern viel mehr durch eine Kombination von Eigenschaften und Rahmenbedingungen. Also verwarf ich alle bisherigen Vorgehensweisen, bestellte Suchagenten bei Stepstone und Co. wieder ab und konzentrierte mich darauf, eben diese Eigenschaften und Rahmenbedingungen zu definieren. Das inhaltliche Thema war dabei für mich zunächst eine Nebensache, mit der ich mich später weiter auseinandersetzen wollte.

Wie findet man nun aber diese Aspekte, die einem im Beruf wichtig sind? Es gibt dazu sicher eine Menge Ansätze, ich selber habe mir genau zwei Fragen gestellt:

  1. Was sind meine Werte?
  2. Warum war ich in meinen letzten Jobs unzufrieden?

In meinem nächsten Beitrag werde ich genauer darauf eingehen, was ich über meine Werte gelernt habe und eine wie ich finde sehr einfache und sehr effektive Methode vorstellen, wie jeder herausfinden kann, wofür er im Leben steht bzw. stehen möchte. Auf Frage 2 möchte ich allerdings noch ein wenig genauer eingehen, denn durch sie tat ich etwas, was ich schon immer gut konnte: sagen, was ich NICHT möchte, statt zu definieren, was ich möchte. Ich nehme an, dass ich damit nicht alleine dastehe, denn ein “weg von” ist immer einfacher, als ein “hin zu”. Natürlich ist es immer ein guter erster Schritt zu wissen, was man nicht möchte, jedoch ist es langfristig kein Erfolgstreiber, ohne Ziel vor etwas davonzulaufen. In diesem Fall merkte ich aber, dass sich all die Eigenschaften und Rahmenbedingungen meiner vorherigen Jobs, die mich unzufrieden machten, leicht umformulieren ließen in Dinge, die ich mir in meinem zukünftigen Job wünschte. Und so ergaben sich daraus in Kombination mit meinen Werten im Wesentlichen folgende Aspekte, die mein Traumjob unbedingt erfüllen sollte:

  • Ich möchte in einem kreativen Umfeld arbeiten.
  • Ich möchte die Möglichkeit haben, außerhalb vorhandener und manchmal eingefahrener Strukturen zu denken und zu handeln.
  • Ich möchte den Mensch im Mittelpunkt meiner Arbeit wissen und mit Empathie und Vertrauen einen Mehrwert für ihn schaffen.
  • Ich möchte Flexibilität hinsichtlich Arbeitsort und Arbeitszeit.

„Konkret sieht anders aus“ mag der ein oder andere von euch jetzt vielleicht denken. Und ich gebe euch Recht, für eine Suche in Jobbörsen eignet sich das Ganze zunächst nicht wirklich. Aber genau das ist es, was einen Traumjob meiner Meinung nach ausmacht. Nur selten lässt sich dieser nämlich unter einem konkreten Berufsbild wie beispielsweise Arzt oder Lehrer subsummieren. Stattdessen sind es meist die Tätigkeiten und vor allem auch die Werte, die dahinterstehen, die den Job zu einem Traumjob für uns machen. Das Schöne daran: es gibt anschließend meist hunderte verschiedene Berufsbilder, die das erfüllen, was uns wirklich wichtig ist, völlig unabhängig von „äußeren Faktoren“ wie eben einem konkreten Jobtitel oder einer Branche. Und so könnte jemand beispielweise sowohl den Beruf des Stadtführers als auch den des Schwimmtrainers als seinen Traumjob nennen, wenn es ihm oder ihr in erster Linie wichtig ist, im Job Menschen etwas beizubringen. Wir müssen also nur ganz genau hinschauen, wo uns überall geboten wird, was wir lieben, und oft entdecken wir dabei sogar Jobs, von denen wir vorher gar nicht wussten, dass es sie überhaupt gibt.

Letztlich ist es also mit dem Traumjob wie mit dem Traummann: es gibt nicht nur den einen. Deswegen finde ich das Wort „Traumjob“ auch oft irreführend und ersetze es lieber durch „berufliche Erfüllung“. Und ob wir diese finden, indem wir anhand von Jobtiteln in Suchmaschinen nach Stellenanzeigen suchen, bezweifle ich. Denn irgendwie sind online Jobbörsen bei der Berufswahl doch ein wenig wie Tinder bei der Partnersuche: oberflächlich, idealisiert und voller Konkurrenz. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass sich ein Blick hinter die Fassade noch immer gelohnt hat 😉 Ich glaube also daran, dass wir ausgehend von unseren Wünschen die Tätigkeiten definieren sollten, die uns Freude bereiten, um anschließend nach Umfeldern zu suchen, in denen wir genau diese Tätigkeiten ausüben können. Und wenn es keinen Job gibt, der all das erfüllt, dann müssen wir uns zur Not unseren eigenen erschaffen – das ist heutzutage viel einfacher, als man denkt und dann hat auch das Wort „Traumjob“ auf einmal seine Berechtigung.

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2 Kommentare

  1. Manchmal hilft es auch einen Job als etwas zu sehen dass es einem ermöglicht Geld zu bekommen für die Dinge die man liebt und gerne tut.

    So hat man beides, denn ich geb Dir recht, oft ist ein Job nicht der Job, aber ein Traumjob weit weg oder zu gewagt.

    • Ja, das stimmt. Es kann ein Anreiz sein, dass man belohnt wird dafür, dass man Dinge tut, die man gerne tut. Wichtige Voraussetzung dafür ist nur, dass man diese Dinge, die man gerne tut, auch konkret benennen und vor allem in einen Job packen kann. Das finde ich nämlich gar nicht immer so einfach. Aber “gerechte Entlohnung” ist so oder so sicher auch ein Teil des Traumjobs, wie auch immer man gerecht für sich selber definiert und wie hoch man die Priorität setzt.

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