In meinem Beitrag „Ich kann das alleine, aber mit anderen ist es leichter“ habe ich euch bereits von Working Out Loud (kurz: WOL) erzählt und dass es mir geholfen hat, einen anderen Blick auf das Thema „Netzwerken“ zu werfen. Wie versprochen möchte ich heute ein bisschen näher auf die Methode eingehen und damit zugleich eine neue Kategorie auf meinem Blog eröffnen, die Kategorie des „Neuen Arbeitens“. Kommt die Methode ursprünglich zwar aus der Unternehmenswelt, möchte ich zudem zeigen, dass man sie auch ganz wunderbar für seine privaten Ziele nutzen kann.

Ich bin auf Working Out Loud das erste Mal durch den Podcast „New Work Stories“ von New Work SE aufmerksam geworden. Hier haben Lisa und Alex jeden Mittwoch spannende Menschen zu Gast, die über den Wandel in der Arbeitswelt berichten. Eine davon war Ende des letzten Jahres auch Katharina Krentz von Bosch, die die Working Out Loud Methode vorstellte.

Bei Working Out Loud geht es nicht, wie ich im ersten Moment dachte, darum, laut zu arbeiten. Stattdessen geht es darum, die eigene Arbeit sichtbar zu machen und sich dabei gleichzeitig ein Netzwerk aufzubauen, innerhalb dessen man voneinander lernen kann. Die Ursprünge von WOL liegen, wie bereits angedeutet, in der Unternehmenswelt. John Stepper, der Erfinder der Methode, hat sich zum Ziel gesetzt, den Wissensaustausch unter Mitarbeitern zu fördern, um das Innovationspotential von Unternehmen zu stärken. Im Zuge der Digitalisierung und dem damit einhergehenden Wandel in der Arbeitswelt wird es immer wichtiger, Silos abzubauen und stattdessen in Netzwerken zu denken und zu handeln. Das hat nicht nur für jeden einzelnen einen enormen Wissensgewinn zur Folge, sondern verändert auch die Unternehmen von innen heraus. Nach der Meinung von John Stepper greift das klassische Verständnis des Netzwerkens hier aber oft zu kurz, da bei vielen Menschen lediglich der eigene Vorteil im Vordergrund steht. So entstand die WOL-Methode und bietet Menschen seitdem einen Leitfaden, um nachhaltige Vernetzungskompetenzen zu erlernen.

Wie funktioniert das konkret?

Bei der Working Out Loud-Methode arbeitet man über 12 Wochen in sogenannten WOL-Circles an einem sich selbst gesteckten Ziel. Ein WOL-Circle besteht dabei aus 3-5 Mitgliedern, die sich jede Woche für 60 Minuten entweder persönlich oder digital treffen. Innerhalb dieser Stunde werden von jedem Teilnehmer Aufgaben bearbeitet, die durch wochenspezifische Aufgabenblätter, die Circle-Guides, vorgegeben sind.

Bei der Wahl des eigenen Ziels ist man völlig frei. Es kann im Zusammenhang mit der eigenen Arbeit stehen, genauso willkommen sind aber auch alle anderen Ziele. Denn am Ende geht es nur an zweiter Stelle darum, sein gestecktes Ziel zu erreichen. Viel mehr dient dieses als Aufhänger, sich ein Netzwerk rund um das Thema aufzubauen, in dem man dazulernen möchte. Dabei unterstützen einen die wöchentlichen Aufgaben. Sie legen den Fokus darauf, das eigene Wissen sichtbar zu machen, und damit tiefgehende und langfristige Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen. Es geht also auch um die Art und Weise des Kontaktknüpfens und so sind kleine Empathie-Aufgaben immer wieder in die Circle-Guides integriert.

An dieser Stelle weicht der WOL-Gedanke ganz besonders vom klassischen Netzwerk-Gedanken ab. Schaut man bei letzterem oft zuerst darauf, wie man vom Wissen des anderen profitieren kann, geht man bei WOL von sich selber aus und fragt sich, wie man mit seinem eigenen Wissen einen Mehrwert für andere schaffen kann.

Durch seine Dauer von 12 Wochen trägt WOL dazu bei, die erlernten Netzwerk-Kompetenzen nachhaltig zu verinnerlichen. So verwandelt sich Working Out Loud schließlich von einer Methode zu einer Lebenseinstellung und kann damit zu einer Veränderung in allen Lebenslagen führen. Themen wie Kooperation und Kommunikation bekommen auf einmal einen neuen Stellenwert im Leben der Mitarbeiter und übertragen sich damit auch auf die Kultur des Unternehmens. Eine Win-Win-Situation also in Zeiten, in denen der Wandel von vielen Unternehmen längst überfällig ist.

Working Out Loud im Privatleben

Wie oben beschrieben kommt die WOL-Methode eigentlich aus dem Arbeitsumfeld mit dem Ziel, Unternehmensstrukturen zukunftsfähiger zu gestalten. Darauf ist sie aber auf keinen Fall limitiert und man kann sie auch ganz einfach im Privatleben für seine Ziele nutzen. So machte auch ich meine ersten Erfahrungen mit der Methode und ich kann jedem empfehlen, dies einmal auszuprobieren. Über den Circle-Finder auf der offiziellen WOL-Homepage habe ich mir eine in diesem Fall digitale Gruppe, meinen Circle, gesucht und schon war ich mittendrin.

Ich habe durch WOL wirklich viel gelernt. Zunächst einmal habe ich tolle Menschen getroffen, die Teil meines Netzwerkes bleiben werden. Im wöchentlichen Austausch miteinander habe ich gemerkt, dass wirklich jeder von jedem lernen kann und es immer irgendetwas im eigenen Wissens- und Erfahrungsschatz gibt, das auch anderen weiterhilft. Ich habe mehr Selbstbewusstsein gewonnen wenn es darum geht, mich und mein Wissen anderen zu zeigen. Und ich habe gelernt, dass Netzwerken Spaß machen kann, wenn man das Thema nicht nur aus Sicht seines eigenen Vorteils betrachtet. Und nicht zuletzt habe ich ein wesentliches Ziel von WOL erreicht: ich habe die Methoden zur Gewohnheit gemacht. Im Laufe der 12 Wochen kam es immer mal wieder vor, dass ich vor dem aktuellen Circle-Guide saß und feststellte, dass ich die Aufgaben ganz unbewusst schon erledigt hatte. Einfach, weil sich bestimmte Verhaltensweisen schon in meinen Alltag eingeschlichen hatten.

Mein Fazit ist also durchweg positiv und ich werde sicher an einem nächsten WOL-Circle teilnehmen – dann natürlich mit einem neuen Ziel. Und ich hoffe, dass ich in Zukunft auch die Gelegenheit bekommen werde, die Methode im Arbeitsumfeld zu testen.