
Anfang der Woche habe ich euch erzählt, wie froh ich darüber bin nicht alleine zu sein und wie wichtig es für uns alle ist, Menschen in unserem Umfeld zu haben, die in einer ähnlichen Lebenssituation sind wie wir selber. Denn das Gefühl, verstanden zu werden, gibt uns mehr Kraft als wir denken. Heute geht es um das Thema, welches die Basis für diese und alle weiteren Kontakte bildet: die Rede ist vom Netzwerken.
Ich kann schon lange nicht mehr zählen, wie oft mir bereits im Studium und später auch im Berufsleben eingebläut wurde, dass Netzwerken das A und O ist, um beruflich erfolgreich durchzustarten. Viele offene Stellen werden über Kontakte besetzt, Projekte werden über Empfehlungen vergeben und die wahren Sorgen potentieller Kunden erfährt man meistens bei einem unverbindlichen Mittagessen. Und trotzdem ist es mir immer schwergefallen. Am meisten, weil ich daran einfach keinen Spaß gefunden habe. Und das, obwohl ich wirklich ein offener Mensch bin und mir selten die Worte fehlen. Hier musste ich aber krampfhaft nach Gesprächsthemen suchen und Gesprächspausen fühlten sind genauso unangenehm an wie bei einem eher mäßig laufenden ersten Date. Ganz zu schweigen von dem ausgebliebenen Erfolg…
Ihr vermutet es richtig, jetzt kommt das Aber 😉 Denn in der aktuellen Situation merke ich, dass an all dem Gerede über das Netzwerken etwas Wahres dran war. Vor gut drei Monaten, als meine Reise der beruflichen Neuorientierung startete, war ich überzeugt davon, dass ich das alleine schaffe. Und andere um Rat oder nach ihren Erfahrungen zu fragen fühlte sich irgendwie an, als würde ich versagen. „Ich brauche keine Hilfe“, redete ich mir ein. Und ich fühlte mich schlecht, das Wissen von anderen aufzusaugen ohne ihnen etwas zurückgeben zu können. Schließlich konnte ich meiner Meinung nach den anderen keinen Mehrwert bieten. Bis ich ein paar Wochen später auf „Working out Loud“, eine Methode, die die Vernetzung innerhalb eines selbstgewählten Themas fördert, gestoßen bin. In einem meiner nächsten Beiträge stelle ich euch diese Methode aus dem Bereich des „Neuen Arbeitens“ detaillierter vor. Heute möchte ich dazu nur sagen, dass sie mir die Augen geöffnet hat.
Durch kleine, wöchentliche Aufgaben wurde ich beim Thema Netzwerken immer wieder aus meiner Komfortzone geschubst. Ich habe den Kontakt zu Menschen gesucht, die sich für die gleichen Themen interessieren, wie ich, und war irgendwann von der Masse an neuen Informationen fast schon überfordert. Ich habe gelernt, dass es nichts mit Versagen zu tun hat, wenn man von anderen lernt. Denn Wissen ist dafür da, geteilt zu werden. Ich habe gelernt, dass Netzwerken nichts mit ausnutzen zu tun hat. Denn jeder Mensch weiß etwas, was der andere noch nicht weiß, sodass der Austausch sich immer für alle lohnt. Und ich habe gelernt, dass Netzwerken sogar Spaß machen kann. Denn es geht auf einmal um Themen, die mich begeistern. Um Themen, zu denen ich etwas zu sagen haben. Um Themen, über die ich mehr lernen möchte. Und um Themen, bei denen ich mein Wissen mit anderen teilen möchte. Für mich steht dabei nicht im Vordergrund, was mir jeder einzelne Kontakt vielleicht zukünftig für einen Vorteil bringen kann. Vielmehr geht es mir um das voneinander lernen. Zu geben und zu nehmen. Und dabei den Spaß am Austausch mit anderen nicht zu verlieren.
Durch die sozialen Netzwerke ist das Vernetzen heutzutage so einfach wie nie. Ob über LinkedIn und Xing oder Instagram und Facebook, im Prinzip sind keine Grenzen gesetzt und jede Plattform bietet, je nach Thema, ihre Vor- und Nachteile. Und wenn Corona vorbei ist, dann steht auch Präsenztreffen endlich nichts mehr im Wege. Man sollte nur nicht vergessen, dass nicht allein die Masse an Kontakten ein gutes Netzwerk ausmacht. Es kommt mindestens genauso sehr auf die Stärke der einzelnen Verbindungen an, um von einem Netzwerk am Ende auch profitieren zu können. Das gesunde Mittelmaß ist auch hier wie so oft im Leben der Schlüssel zum Erfolg.
Auch ich bin trotz der Erfahrungen der letzten zwei Monate noch immer am Anfang und absolut kein Netzwerk-Profi. Ich versuche aber, am Ball zu bleiben und immer wieder neue Kontakte zu knüpfen, alte zu pflegen und jedes Mal ein Stückchen weiter aus meiner Komfortzone auszubrechen. Das Wichtigste ist für mich dabei immer, mit dem richtigen Ziel an die Sache ranzugehen. Denn Netzwerken baut auf Vertrauen auf und wer nur auf seinen persönlichen Vorteil aus ist, der wird sich sehr schnell im Netz verfangen. Ansonsten kann man bei dem ganzen Thema eigentlich nicht viel falsch machen, wenn man einfach nur man selber bleibt 🙂

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